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Jeder Gürtel erzählt seine eigene Geschichte von Freud und Leid, von Freundschaft und Missverständnissen, von Erfolg und Misserfolg, von Stärke und Schwäche, Versagen und Schmerzen, eben von allen persönlichen Höhen und Tiefen. Der Gürtel ist das Abbild des Weges, den jeder Einzelne geht. Aus diesem Grund ist es beispielsweise für den Übenden eine grosse Ehre, wenn ein Meister ihm als Anerkennung seinen Gürtel schenkt, der alle Wege seiner Übung, seines Werdens mitgegangen ist.



Vermutlich haben alle der Leser bereits einmal einen Aikidoka beim Zusammenlegen seines Hakamas beobachtet und sich gefragt, warum sind da gerade genau so viele Falten drin, wie eben drinnen sind (es sind übrigens sieben, fünf vorne und zwei hinten). Dazu gibt es nun sehr viele verschiedene Meinungen. Am öftesten liest man, daß jeder Falte eine Tugend eines Samurais zugeordnet ist (chugi=Treue, Hingebung, Harmonie; gi=Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit; jin=Wohlwollen, Güte, Menschlichkeit, Barmherzigkeit; makato=Wahrheit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit; meiyo=Ehre, Ruhm, Perstige; rei= Etiquette; yuki=Tapferkeit). Allerdings hat sich im Laufe der Geschichte die Anzahl der Falten und sicher auch ihre Bedeutung geändert. Wobei es jedem selber überlassen bleibt zu glauben, was nun seine Falten für Bedeutungen haben. Spätestens wenn man das erste mal mit den Falten seines Hakamas kämpft, lernt man wenigstens die Tugend der Geduld und je nach Temperament auch der Mäßigung. Wenn man dann schon etwas erfahrener im Zusammenlegen ist, dann hat man auch noch Zeit, sich kommunikativ zu bilden. Also hat der Hakama immer ein wenig vom Lehrer in sich selbst.
Der Begriff Sensei wird im Bereich des Budo/Bujutsu (japanische Kampfkünste) für einen Lehrenden/eine Lehrende benutzt. Im traditionellen Verständnis bedeutet diese Bezeichnung „Lehrer des Weges“, der sein Wissen an die Schüler weitergibt und die nötigen Impulse für ihren Fortschritt setzt. Er ist derjenige, der sich bereits auf dem Weg (do) befindet und der den Schülern den Weg zum eigenen Sehen zeigt. Den Titel tragen normalerweise die Träger eines schwarzen Gürtels. In heutigen Dojos spricht man eher vom „Trainer“ oder „Übungsleiter“. Für diese Tätigkeit, die auch von fortgeschrittenen Kyu-Graden ausgeübt wird, wird häufig der japanische Ausdruck Sempai („der Ältere“, „der Erfahrene“) benutzt.

Die Geisteshaltung des Zen zeigt sich in den Wegen der Kampfkünste (martial arts) ebenso wie in den Wegen der schönen Künste (fine arts). Zen und Budo sind ohne einander undenkbar, denn sie haben sich seit achthundert Jahren gegenseitig beeinflusst und gemeinsam weiterentwickelt. Daraus entstand für die edle Elite ein Ehrenkodex, das Bushido, der auch dieser Tage im asiatischen Wirtschaftssystem nach wie vor spürbar ist.

Dies ist ein Artikel aus "Aikikai Zürich News".

Zentral wichtig für schadenfreies Üben ist sicher die gute aufrechte Haltung mit entspannten Schultern, ohne übertriebenes Hohlkreuz. Aber das schafft man unmöglich ein ganzes Training lang, wenn man sonst im Alltag schräg und schlaff im Sofa hängt, auf dem Arbeitsstuhl nach zehn Minuten zusammensinkt und mit vornüber hängenden Schultern und gesenktem Blick auf die S-Bahn wartet. «Good Posture» wie es Frank Doran Sensei immer nennt, ist eine 16 Stunden pro Tag-Aufgabe, sobald wir nicht waagrecht im Bett liegen. Damit trainieren wir Dutzende von kleinen, «versteckten» Muskeln, die unbewusst unsere aufrechte Haltung bewirken und festigen. Auf den Matten bekommen eher die grossen, bewusst geführten Bewegungsmuskeln ihre Ration Training ab.

Die Sempai-Kohai-Beziehung ist traditionell gesehen eine Anwendung der konfuzianischen „Fünf menschlichen Elementarbeziehungen“ und überträgt dem Sempai die Aufgabe, ähnlich wie unter Geschwistern, den Kohai anzuleiten, gegebenenfalls in Schutz zu nehmen und sich um sein Wohl zu kümmern. Den Neulingen gibt er Orientierung und Ratschläge, übt eine Vorbildfunktion aus und übernimmt Verantwortung für seinen oder seine Kohai. So wie der Familienvater, kann man vom Sempai erwarten, dass er bezahlt, wenn man gemeinsam trinken geht. Der Kohai kann sich auf die Hilfe des Sempai verlassen, dem er Respekt und einen gewissen Gehorsam schuldig ist. In Sportvereinen zum Beispiel, und ganz allgemein an traditionellen Schulen, übernehmen die Kohai die Aufräumarbeiten, die ihnen die Sempai delegieren.

In einem Dojo unterstützt der Sempai (der fortgeschrittene Schüler) den Lernfortschritt der Anfänger (Kohai) und achtet auf das rechte Verhalten, den Budo-Geist und das korrekte Einhalten der Etikette. Der Kohai vertraut dem Sempai und übt sich in Bescheidenheit.

Die Sempai-Kohai-Beziehung schafft, sofern ihre Regeln eingehalten werden, positiv verbindliche und „produktive“ menschliche Beziehungen.




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